

Im Jahr 2002 wurde der Verein Chiemgauer Lokalbahn e.V. mit dem Ziel gegründet, die Bahnstrecke Bad Endorf – Obing wieder in Betrieb zu nehmen, zu erhalten und einen regelmäßigen Touristikverkehr aufzunehmen. 2005 wurde mit der Deutschen Bahn ein Pachtvertrag abgeschlossen. Bis der erste Zug am 1. Juli 2006 wieder fahren konnte, leisteten die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder intensive Instandsetzungsarbeiten an der Strecke. Die Strecke, sowie die historischen Fahrzeuge, die auf ihr fahren, wollen langfristig erhalten werden. Diesem Ziel sind ist der Verein mit dem im Jahre 2014 abgeschlossenen Kauf der Strecke entscheidend nähergekommen.
„Zweck des Vereins ist die Förderung technischer Kulturgüter. Im Rahmen seiner Zwecke erfolgt die betriebsfähige Erhaltung und Präsentation der Bahnstrecke Bad Endorf – Obing mit den vorhandenen landschaftsprägenden Baulichkeiten, sowie historischer Eisenbahnfahrzeuge.“ So heißt es in §2 der Vereinssatzung.

(c) Chiemgauer Lokalbahn e.V.

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Informationen zur Geschichte der Bahnstrecke Endorf – Obing
Mitten in der Glanzzeit des Nebenbahnbaus Ende des 19. Jahrhunderts wurde erstmals vorgeschlagen, den nordwestlichen Chiemgau durch eine Eisenbahn zu erschließen. Dies sollte insbesondere der örtlichen Holz- und Torfwirtschaft zugutekommen. Während Endorf und Obing als Ausgangspunkte von Anfang an feststanden, wurde über den Verlauf dazwischen noch länger gestritten; unter anderem wurde vorgeschlagen, die Trasse über Eggstätt, mitten durch die Hemhofer Seenplatte, zu führen! Schließlich setzten sich aber doch Halfing, Amerang und Pittenhart durch und bekamen so im Jahre 1908 „ihre“ Eisenbahn: Am 15. Oktober diesen Jahres wurde die Königlich Bayerische Vizinalbahn Endorf Obb. – Obing von der ebenso Königlich Bayerischen Staatsbahn eröffnet.
Aufschwung und Niedergang
Nie konnte sich die Strecke durch eine trotz der Unterordnung überregionale Bedeutung oder betriebliche Besonderheiten hervortun, wie es zum Beispiel bei der Königsseebahn der Fall war. Sie wurde hauptsächlich von der Wohnbevölkerung, Ausflüglern und dem Torfstich bei Pittenhart genutzt. Nie konnte sie außergewöhnlich hohe Fahrgastzahlen aufweisen, aber es genügte, um sie wirtschaftlich betreiben zu können! Gut ein halbes Jahrhundert lang wuchs das Verkehrsaufkommen proportional zur Bevölkerung. Doch ab Mitte der 50er Jahre brach es ein. Schuld daran war der aufstrebende Individualkraftverkehr, der der Eisenbahn immer mehr den Platz streitig machte. Außerdem war der Torfabbau zwischenzeitlich eingestellt worden –da half auch der Schienenbus nicht mehr. Schon relativ früh wurde der Personenverkehr zum 26. Mai 1968 eingestellt.
Rettungsversuche
Wirklich stillgelegt wurde die Eisenbahn mit der Streckennummer 5705 nie. Für einen bescheidenen Güterverkehr, unter anderem zu einem Obinger Schrotthändler, wurde sie von der Bundesbahn weiterhin betriebsbereit gehalten. Doch 1996 war auch damit Schluss. Das rief das Bayerische Eisenbahnmuseum auf den Plan, das einen Ausflugsverkehr mit Dampfzügen aufnehmen wollte, jedoch nicht gelassen wurde und die Lokalbahn schließlich dem Verfall preisgegeben wurde –aber immer noch nicht endgültig stillgelegt! Geglückt! Doch schafft’s der Altbewährte nicht, schafft’s vielleicht der Neue! Ab dem Jahr 2004 wurde die Strecke von uns, dem Chiemgauer Lokalbahn e.V., Schritt für Schritt wieder betriebsbereit gemacht. In vielen vorwiegend ehrenamtlichen Arbeitsstunden wurden die Überwucherung zurückgedrängt, die Bahnsteiganlagen rekonstruiert, die Verkehrssicherung wieder instandgesetzt, der ganze Papierkram erledigt…
Nach der Gründung einer eigenen Betreibergesellschaft konnte schließlich am 1. Juli 2006 der Verkehr feierlich wiedereröffnet werden. Seitdem ist die Chiemgauer Lokalbahn – im Volksmund auch LEO genannt – im lokalen Bewusstsein und dem der Eisenbahnfreunde wieder fest verankert. Und zeigt sich dabei trotz allem sehr wohl zukunftsfähig.
Projekt Esslinger Triebwagen VT 103
Der Triebwagen VT 103 kann auf eine interessante Vergangenheit zurückblicken. Gebaut wurde er im Jahre 1952 von der Maschinenfabrik Esslingen und war bis 1994 im südbadischen Raum, auf den dortigen Privatbahnstrecken, im Einsatz. Im Anschluss an diese bewegte Zeit, begann er sein Museumsbahnleben beim Fränkischen Freilandmuseum auf der Strecke Mellrichstadt – Fladungen, von wo er im Jahre 2004 von der Chiemgauer Lokalbahn übernommen wurde.
Nach der erfolgreichen Aufarbeitung wurde der VT 103, im Zeitraum von 2006 bis 2014, zwischen Bad Endorf und Obing als alleiniges Fahrzeug für den Personentransport eingesetzt. Nun ist es an uns, den Triebwagen wieder in Fahrt zu bringen, um auch unseren zukünftigen, kleinen und großen Fahrgästen, das Erlebnis einer Fahrt im Esslinger Triebwagen mit seinen schönen und noch originalen(!) Holzbänken zu ermöglichen.

(c) Chiemgauer Lokalbahn e.V.
Adresse
An der Bahn 2, 83119 Obing